Dreikönige Köln

Eine historische Quelle (1864)

Als Jesus, unser göttlicher Heiland, geboren war zu Bethlehem im Stamme Juda, da kamen Weise aus dem Morgenlande nach Jerusalem und sprachen: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Denn wir haben seinen Stern im Morgenlande gesehen und sind gekommen, ihn anzubeten“ (Matth. 2, 1-2.)

Sie waren drei an der Zahl. So deutet uns die Erzählung des Evangeliums von ihren drei Gaben klar an, so berichtet uns die kirchliche Überlieferung, von welcher bereits der h. Papst Leo der Große, der h. Maximus von Turin, der h. Cäsarius von Arles ausdrücklich Zeugnis ablegen, und vor ihnen die Malereien auf den Wänden der Katakomben, welche bis in das Zeitalter der Verfolgungen zurückreichen.

Der Bericht des Evangeliums sagt nicht mit ausdrücklichen Worten, dass sie Könige gewesen, gibt dieses aber deutlich zu verstehen; denn woher sonst die Rücksicht und das schonende Benehmen des Herodes gegen Personen, die ihm einen König der Juden verkünden, woher die angstvolle Bewegung des Herrschers und der ganzen Stadt Jerusalem, wenn die Weisen einfach drei fromme Gelehrte gewesen wären? Die rücksichtsvolle Behandlung von Seiten des grausamen Herodes und der allgemeine Schrecken zeigt uns deutlich, dass es sich um mehr als bloße Privatpersonen handelte; wenn wir uns dieselben auch selbstredend nicht von der Macht des römischen Kaisers denken dürfen, so aber doch von selbständiger Herrschaft über ihr Volk.

Diese heiligen Könige machen sich also auf den Weg und verlassen ihr Land, um dem Sterne zu folgen. Zu Jerusalem wird auf kurze Zeit innegehalten. Der Stern erscheint wieder, wandelt ihnen voraus, steht still, und sie fallen huldigend und anbetend dem Könige zu Füßen, welcher die Erwartung der Nationen erfüllte.

Nachdem die heiligen Fürsten dem großen Könige in Windeln, welchen Maria ihnen zeigte, angebetet und ihre Gaben zu den Füßen des Emmanuel niedergelegt hatten, nahmen sie Abschied von dem göttlichen Kinde und kehrten in ihre Heimath zurück. Eine alte Überlieferung, welche schon im sechsten Jahrhundert aufgeschrieben wurde, besagt, dass sie später von dem hl. Apostel Thomas die Taufe erhielten und sich der Verkündigung des Evangeliums weihten: bestände diese Überlieferung auch nicht, so ließe schon das einfache christliche Gefühl voraussetzen, dass die Mission dieser heiligen Fürsten sich nicht auf den kurzen Besuch bei dem Jesuskinde beschränken konnte, sondern ihre apostolische Thätigkeit einen natürliche Folge jener ersten Berufung war. So starben sie nach einem heiligen Leben eines heiligen Todes, von der Kirche seit den ersten Zeiten als Heilige verehrt.

aus: M. J. Scheeben, Festbüchlein zur Feier des 700-jährigen Jubiläums der Übertragung der hh. Könige nach Köln (1864)

38-Matthias Joseph ScheebenDer katholische Priester und Theologe Matthias Joseph Scheeben wurde am 1. März 1835 in Meckenheim geboren. Als Priesteramtskandidat des Erzbistums Köln ging Scheeben 1852 zum Theologiestudium nach Rom, wo er am 18. Dezember 1858 zum Priester geweiht wurde. 1860 wurde Scheeben als Theologieprofessor an das Kölner Priesterseminar berufen. Eine Ehrenplakette am ehemaligen Priesterseminar und heutigen Generalvikariat in der Kölner Marzellenstraße erinnert an seine dortige Lehrtätigkeit. Am 21. Juli 1888 verstarb Matthias Joseph Scheeben in Köln.