Von den Magiern zu den Heiligen Drei Königen

Die Huldigung der Sterndeuter

37-san ravenna dreikoenige

Die Geschichte der Verehrung der Hll. Drei Könige, deren Weg vor 850 Jahren schließlich in den Kölner Dom führte, beginnt noch einmal ca. 1100 Jahre früher mit 12 Versen in der Heiligen Schrift. In ihnen schreibt der Evangelist Matthäus ihr Gedächtnis nieder (Mt 2,1-12). Dabei nennt er in seinem Evangelium weder Zahl noch Namen der drei Männer „aus dem Osten“. Auch sagt ihre Kennzeichnung als „Magier“ noch nichts über einen königlichen Stand aus. Der Begriff verweist eher auf Priester oder sternenkundige Weise aus dem persischen Raum. Diese brechen aus ihrer Heimat auf, weil ihnen ein Stern aufgefallen war, den sie als Zeichen des „Königs der Juden“ identifiziert hatten. Seiner Spur folgend, gelangen sie erst nach Jerusalem, an den Hof des Königs Herodes. Dieser erschrickt angesichts des Hinweises auf die Geburt eines vermeintlichen Konkurrenten. Seine Hofgelehrten wissen aus der Heiligen Schrift vom Geburtsort Betlehem, den die Propheten vorhergesagt haben. Dorthin ziehen die Magier unter weiterer Führung des Sterns, finden das Kind mit Maria, beten es an und bringen ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe dar. Aufgrund eines Traums meiden sie auf dem Rückweg in ihre Heimat eine erneute Begegnung mit Herodes.

Das Evangelium ist voller Anspielungen. Der „Osten“ steht biblisch für „Sündenland“ und ist vor allem mit Babylon verbunden (vgl. Gen 11,1-10). Auch die Sternenkunde gilt als typisch babylonisch und damit letztlich als heidnisch (vgl. Jes 47,13). Mit den „Magiern“ bewegen sich also die ersten Heiden auf Jesus zu. Und umgekehrt drängt im Stern die Botschaft von Jesus in die Welt hinaus (vgl. Mt 28,19). Schließlich zeigt der „Christus-Stern“ an, wer der wahre König der Welt ist. Er steht im Gegensatz zu denen, die sich gerne auf Münzen als Könige mit einem Stern schmückten: z. B. Herodes oder Nero. Die Magier lassen sich durch Herodes nicht beirren. Sie erkennen den wahren König und zeigen ihre Verehrung in Gaben von enormer Kostbarkeit.

Die Auslegung der Kirchenväter

Diese Gaben werden in der Auslegung der Kirchenväter - gemeint sind damit die Theologen der ersten Jahrhunderte n. Chr. - zu einem wichtigen Ausgangspunkt. Im 3. Jh. schließt Origenes von der Dreizahl der Gaben auf drei Personen (in Syrien rechnete man mit 12 Magiern). Erst Caesarius von Arles († 542) sieht in den Magiern endgültig Könige. Wichtige Bezugsstellen dafür sind Jes 60,3.6 und Ps 72,10, wo von Gold und Weihrauch bzw. Gaben bringenden Königen die Rede ist. Augustinus († 430) weiß um die Ankunft am 13. Tag nach der Geburt Jesu. So wird das gegenüber Weihnachten ältere Fest der Epiphanie am 6. Januar zum Tag der Hll. Drei Könige. Sehr unterschiedlich werden die Gaben interpretiert. Während Irenäus und Origenes († 254) sie ganz auf Jesus beziehen, und zwar auf sein Königtum (Gold), seine Göttlichkeit (Weihrauch) und seine Menschheit bzw. sein Leiden (Myrrhe), denkt Gregor d. Gr. († 604) mehr an die Haltungen der Hll. Drei Könige bzw. aller Gläubigen: Weisheit, Gebet und Abtötung des Fleisches.

Völker wandern zu deinem Licht und Könige zu deinem strahlenden Glanz. […] Alle kommen von Saba, bringen Weihrauch und Gold und verkünden die ruhmreichen Taten des Herrn. Jes 60, 3.6
Die Könige von Tarschisch und von den Inseln bringen Geschenke, die Könige von Saba und Seba kommen mit Gaben. Alle Könige müssen ihm huldigen, alle Völker ihm dienen. Psalm 72, 10-11

37-san ravenna dreikoenige

Ebenfalls im 6. Jh. tauchen erstmals die Namen Kaspar, Melchior und Balthasar auf (vgl. z.B. das Wandmosaik der Kirche Sant’ Apollinare Nuovo in Ravenna. Im weiteren Verlauf werden die Hll. Drei Könige auch noch den drei Lebensaltern sowie verschiedenen Kontinenten (Europa, Asien, Afrika) zugeordnet. So haben sie zumindest künstlerisch Raum und Zeit mit ihrer Botschaft vollkommen erfasst.

Dr. Gunther Fleischer