Im Pilgerweg Station 2

Der Dreikönigenschrein

Der Dreikönigenschrein ist der größte (2,20 m x 1,10 m x 1,53 m) und künstlerisch qualitätsvollste Reliquienschrein des Abendlandes. Er entstand zwischen etwa 1181 und 1230 und enthält noch heute die Gebeine, die vor 850 Jahren in Köln eintrafen. Der Schrein besteht aus einem Eichenholzkasten, der reich mit Edelsteinen, Filigranen und Emailbeschlägen geschmückt ist; den wesentlichen Schmuck bilden aber die silbervergoldeten bzw. goldenen Figuren.

1 Der Dreikoenigenschrein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Bildprogramm

2-Dreikoenigenschrein-Koenig-DavidDas Figuren- und Inschriftenprogramm folgt einem komplexen theologischen Entwurf, von dem hier nur die Einzelszenen benannt werden können.

3-Ekta008196Die Vorderseite zeigt drei Formen der „Epiphanie“, also die Erscheinung des Herrn vor den morgenländischen Weisen (links, mit Stifterfigur ‚Otto‘), bei der Taufe im Jordan (rechts) und beim Jüngsten Gericht (oben). Als vierter König - ohne Krone, aber ebenfalls mit Geschenk - ist die Figur Ottos IV. (1198-1209) im Gefolge der „Dreikönige“ eingefügt; das erweitert die Darstellung um einen weltlichen Aspekt. Hinter der „Trapezplatte“ ruhen die gekrönten Reliquienschädel.

4-Dreikoenigenschrein-RueckseiteDie hintere Schreinseite zeigt im unteren Bereich die Passion Christi (Geißelung, Kreuzigung), im oberen Bereich eine Darstellung des Auferstandenen, der die Heiligen Felix und Nabor krönt. Ihre Reliquien ruhen ebenfalls im Schrein. Das Dreiecksfeld zwischen den Ebenen nimmt eine Büste Rainalds von Dassel ein, dem Köln die Reliquien verdankt. An den Langseiten sind im unteren Bereich jeweils sechs Propheten des Alten Bundes dargestellt, darüber die Apostel als Beisitzer des Jüngsten Gerichts – das jeweils mittlere der sieben Joche nehmen unten die Figuren „Salomon“ bzw. „David“ ein, in der oberen Reihe ein Cherub bzw. Seraph. Auf den Dachflächen befanden sich bis 1803 Reliefbilder, sie zeigten unten Stationen aus dem Leben Christi und oben auf die Endzeit bezogene Darstellungen.

Im Pilgerweg Station 2

Der Dreikönigenschrein

Der Dreikönigenschrein ist der größte (2,20 m x 1,10 m x 1,53 m) und künstlerisch qualitätsvollste Reliquienschrein des Abendlandes. Er entstand zwischen etwa 1181 und 1230 und enthält noch heute die Gebeine, die vor 850 Jahren in Köln eintrafen. Der Schrein besteht aus einem Eichenholzkasten, der reich mit Edelsteinen, Filigranen und Emailbeschlägen geschmückt ist; den wesentlichen Schmuck bilden aber die silbervergoldeten bzw. goldenen Figuren.

1 Der Dreikoenigenschrein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Bildprogramm

2-Dreikoenigenschrein-Koenig-DavidDas Figuren- und Inschriftenprogramm folgt einem komplexen theologischen Entwurf, von dem hier nur die Einzelszenen benannt werden können.

3-Ekta008196Die Vorderseite zeigt drei Formen der „Epiphanie“, also die Erscheinung des Herrn vor den morgenländischen Weisen (links, mit Stifterfigur ‚Otto‘), bei der Taufe im Jordan (rechts) und beim Jüngsten Gericht (oben). Als vierter König - ohne Krone, aber ebenfalls mit Geschenk - ist die Figur Ottos IV. (1198-1209) im Gefolge der „Dreikönige“ eingefügt; das erweitert die Darstellung um einen weltlichen Aspekt. Hinter der „Trapezplatte“ ruhen die gekrönten Reliquienschädel.

4-Dreikoenigenschrein-RueckseiteDie hintere Schreinseite zeigt im unteren Bereich die Passion Christi (Geißelung, Kreuzigung), im oberen Bereich eine Darstellung des Auferstandenen, der die Heiligen Felix und Nabor krönt. Ihre Reliquien ruhen ebenfalls im Schrein. Das Dreiecksfeld zwischen den Ebenen nimmt eine Büste Rainalds von Dassel ein, dem Köln die Reliquien verdankt. An den Langseiten sind im unteren Bereich jeweils sechs Propheten des Alten Bundes dargestellt, darüber die Apostel als Beisitzer des Jüngsten Gerichts – das jeweils mittlere der sieben Joche nehmen unten die Figuren „Salomon“ bzw. „David“ ein, in der oberen Reihe ein Cherub bzw. Seraph. Auf den Dachflächen befanden sich bis 1803 Reliefbilder, sie zeigten unten Stationen aus dem Leben Christi und oben auf die Endzeit bezogene Darstellungen.

Werkstatt

Nikolaus von Verdun und Werkstatt

Der Name „Nikolaus von Verdun“ ist nicht am Dreikönigenschrein genannt, sondern ausschließlich durch Inschriften auf dem 1181 fertiggestellten Klosterneuburger Altar bei Wien und auf dem 1205 datierten Marienschrein in Tournai / Belgien bekannt.

Durch stilistische Vergleiche mit diesen beiden Werken schrieben Kunsthistoriker ihm auch das Grundkonzept, die Figuren und die herausragenden Emailplatten des Dreikönigenschreins zu. Zusätzlich fand man bei der letzten Restaurierung (1961-1972) an allen drei Goldschmiedewerken die Abdrücke derselben Musterstempel. Einer davon war am Dreikönigenschrein noch intakt, wohingegen er in Tournai - also vor 1205 - einen Schaden aufwies. Die Verteilung dieser Abdrücke belegt jetzt, welche Bereiche des Schreins tatsächlich von Nikolaus oder seiner Werkstatt geschaffen wurden: in erster Linie die oberen Dächer, dann aber auch die hervorragenden Figuren der Langseiten – sie sind jeweils aus einem einzigen, 0,2 mm dünnen Blech hohl getrieben.

Schicksale des Schreins und Restaurierungsgeschichte

Zahlreiche Verluste und Restaurierungen prägen den wertvollen Schrein: 1574 wurde unter anderem ein großer antiker Edelstein von der Trapezplatte gestohlen. Dieser konnte inzwischen mit dem sogenannten Ptolemäerkameo identifiziert werden. Zwischen 1794 und 1803 verlor der Schrein bei der Flüchtung vor den französischen Revolutionstruppen von Köln nach Arnsberg, Bamberg, Prag, Frankfurt und zurück nach Köln die Dachreliefs, einige Figuren und zahlreiche Beschläge. Nach seiner Rückkehr 1803 musste der Schrein daher um 40 cm verkürzt werden; außerdem wurden die Dächer und sämtliche Figuren der Langseiten gegeneinander vertauscht. 1822 stahl ein Einbrecher unter anderem sämtliche Figuren der Stirnseite, die allerdings wenig später zum größten Teil wiedergefunden und wieder angebracht wurden. Bis 1961 blieb der Schrein weitgehend in diesem Zustand (mit nur 1,80 m Länge war er nicht mehr der Größte!).

5-Dreikoenigenschrein-im-Zustand-vor-der-letzten-RestaurierungSchließlich ließ das Domkapitel den Schrein von 1961 bis 1972 durch äußerst geschickte Restauratoren, darunter Peter Bolg, wieder auf seine alte Länge von 2,20 m bringen. Die neu geschaffenen und neu geordneten Figuren und Beschläge an den Langseiten fügten sich (auf einem neuen Holzkern) so reibungslos ein, dass sie am Schrein kaum mehr zu identifizieren waren. Durch eine Inventarisierung sämtlicher heute am Schrein verbauter Einzelteile und seiner 1700 Edelsteine, aber auch durch gezielte Archivrecherchen und Materialuntersuchungen ist das jetzt möglich.

Dr. Dorothee Kemper

historische Quelle

 

Eine historische Quelle

Der Reliquienschrein der hh. drei Könige 1864

Der Schrein, in dem die hh. drei Könige ruhen, ist seines kostbaren Inhaltes würdig. Er ist ein Beweis, wie sehr unsere Vorfahren den hohen Werth der ihnen zu Theil gewordenen heiligen Gebeine zu schätzen wußten. Sie dachten sich in ihrem gläubigen Sinne, dass diejenigen, welche zuerst dem Heilande geopfert, ihm ihre irdische Herrlichkeit zu Füßen gelegt hatten, auch würdig seien, mit dem Kostbarsten, was die Erde bietet, geziert zu werden.
Wahrhaftig königlich ist der Reichthum und die Kostbarkeit des Schreines, der die hh. drei Könige umschließt, und die sinnreiche Kunst unserer alten Meister hat es verstanden, das reiche Material auch in einer so geschickten Weise zu verwerthen, dass Stoff und Form sich gegenseitig heben, und zusammen ein Kunstwerk bilden, wie die Erde kaum ein zweites aufzuweisen hat.
Zwar sind bei der Flüchtung des Schreines zur Zeit der französischen Revolution viele Kostbarkeiten verloren gegangen. Namentlich sind damals die reichen Kronen, womit die Häupter geschmückt waren, und die zusammen achtzehn Pfund an gediegenem Golde wogen, abhanden gekommen; ebenso einige Stücke aus den Seitenwänden nebst den dazu gehörigen Figuren. Aber noch ist der materielle Werth des Schreines ein sehr bedeutender. Die Figuren der obern Giebelwand sind sämmtlich aus gediegenem Goldblech getrieben, die an den übrigen Wänden aus stark vergoldetem Silberblech. Dazu kommt die außerordentliche Menge von Edelsteinen aller Gattungen und Farben, von Perlen, Cameen und andern geschnittenen Steinen. Die Zahl der Edelsteine und Perlen beträgt 1540 Stück, von denen die meisten (587) auf die vordere Giebelwand allein kommen, darunter einige von erstaunlicher Größe, z.B. ein 3 ½ Zoll hoher und 2 ½ breiter Topas, ein geschnittener Blutjaspis, 3 ½ Zoll hoch und 3 Zoll breit, welche die Schutzplatte des Gitters, hinter dem die h. Häupter liegen, zieren. Der geschnittenen antiken Steine sind 226.
6-rba mf059839bDer ganze Schrein hat die Form einer dreischiffigen Kirche, bei der das Hauptschiff über die beiden Seitenschiffe hervorragt. Die Vorder- und Rückseite ist im Giebel 4 ½ Fuß hoch, unten drei Fuß breit. Die Langseiten sind 5 ½ Fuß lang, während sie vor der Wiederherstellung im Jahre 1804 eine Länge von 7 ½ Fuß gehabt hatten.
Der reiche Schmuck in Bild und Schrift zeigt uns die Geschichte der Erlösung, wie sie von den Propheten vorherverkündigt, in der Fülle der Zeiten durch die Menschwerdung und das Leiden des Sohnes Gottes vollbracht, durch die Aposteln bis an die Grenze der Erde getragen wurde, in den Heiligen sich verwirklicht und in dem Weltgerichte zur Vollendung kommt.

7-Ekta008208Die Verdachung der beiden Seitenschiffe ist mit je acht kleinen, sinnigen Gemälden geziert, welche bei der Restauration nach Anleitung des Prof. Wallraff von B. Beckeman angefertigt wurden, um die verloren gegangenen werthvollen Reliefdarstellungen aus dem Leiden Christi zu ersetzen. Die Gemälde beziehen sich alle näher oder entfernter auf den Inhalt des Kastens, auf die hh. drei Könige, und sind in sinniger Weise so geordnet, dass die auf der linken Seite, dem alten Bunde entnommen, je einzeln ein passendes Seiten- oder Gegenstück zu den gegenüberstehenden Darstellungen auf der rechten Seite bilden.
Wie an der Verdachung der Seitenschiffe, so sind auch an der des Mittelschiffes die ehemals darauf angebrachten Bogen und Bildwerke verloren gegangen. Nun sind die beiden Abhänge dieser Verdachung in fünf Abtheilungen eingetheilt, welche, durch vergoldete Engel von einander getrennt, ebensoviele Gruppen von vergoldeten Sternen enthalten, die auf den Stern der hh. drei Könige hindeuten.
Das ist das herrliche Denkmal, welches unter den Hallen eines der schönsten und größten Dome der Christenheit, ein Dom im Kleinen, die Gebeine derer umschließt, denen zuerst die Herrlichkeit des in Kindesgestalt erschienenen Sohnes Gottes sich aufgethan.
aus: M. J. Scheeben, Festbüchlein zur Feier des 700-jährigen Jubiläums der Übertragung der hh. Könige nach Köln (1864)