Der Dreikönigsschrein

Der Schrein im Exil 1794-1803

Arnsberg Propsteikirche

Seit 1792 drangen französische Revolutionstruppen zum Rhein vor. Im Jahre 1794 wurde die Lage so kritisch, dass das Kölner Domkapitel mit dem Schrein und den Reliquien der Hl. Drei Könige, dem Domschatz, der Dombibliothek und dem Domarchiv nach Arnsberg, der Hauptstadt des Herzogtums Westfalen floh. Hier fand es in der Abtei Wedinghausen bis 1803 sichere Zuflucht und hier waren die unermesslich kostbaren Kölner Domschätze vor fremdem Zugriff und vor Zerstörung sicher.

Die hochadeligen Herren und die gelehrten Räte des Kölner Domkapitels fanden in Wedinghausen gastliche Aufnahme, der Abt stellte ihnen auch einen Teil seiner eigenen Räumlichkeiten zur Verfügung. Die Klosterkirche (Bild siehe oben) hatte damals quasi den Status einer Kathedralkirche. Fast zehn Jahre residierte das Domkapitel hier. Nach dem Tode des Kurfürsterzbischofs Maximilian Franz von Österreich wählte es im Oktober 1801 in Arnsberg Anton Viktor von Österreich, den Bruder Kaiser Franz II., zum Nachfolger. Doch der Untergang der geistlichen Staaten des Hl. Römischen Reiches Deutscher Nation war schon besiegelt, so dass Anton Viktor das neue Amt nicht mehr antrat und das Kölner Domkapitel von Wedinghausen aus die kurfürstlichen Lande "sede vacante" bis zur militärischen Besetzung durch Hessen-Darmstadt Anfang September 1802 regierte.

Vor der Besetzung des Herzogtums Westfalen durch den Landgrafen von Hessen-Darmstadt hatte das Domkapitel vorsorglich einen großen Teil der Domschätze, darunter den weltberühmten Dreikönigsschrein, heimlich nach Frankfurt schaffen lassen. Von hier aus wurde er 1803 wieder an den Kölner Dom zurückgegeben. Die prächtige goldene Hülle war wieder an ihrem angestammten Platz, doch die eigentliche Hauptsache, die Reliquien der Drei Könige, fehlten noch. Der Landgraf von Hessen-Darmstadt gestattete schließlich, dass die im Kloster Wedinghausen noch verbliebenen Reliquien nach gründlicher Inaugenscheinnahme im Dezember 1803 wieder ihren Weg von Arnsberg nach Köln antreten konnten. Mit großem Jubel und unter Ehrensalut und Glockengeläut wurde ihre Ankunft in Köln am 4. Januar 1804 gefeiert.

Die Heiligen Drei Könige - im kurkölnischen Sauerland schon immer beliebte Heilige - sind seit ihrem "Exil" in Arnsberg ganz besonders tief in der Volksfrömmigkeit und dem kollektiven Gedächtnis der Sauerländer verwurzelt. Davon zeugen unzählige Geschichten, Erzählungen und Gedichte, die sich um sie ranken.

www.kloster-wedinghausen.de/geschichte/dreikoenigsschrein.html

Der Dreikönigsschrein

Der Schrein im Exil 1794-1803

Arnsberg Propsteikirche

Seit 1792 drangen französische Revolutionstruppen zum Rhein vor. Im Jahre 1794 wurde die Lage so kritisch, dass das Kölner Domkapitel mit dem Schrein und den Reliquien der Hl. Drei Könige, dem Domschatz, der Dombibliothek und dem Domarchiv nach Arnsberg, der Hauptstadt des Herzogtums Westfalen floh. Hier fand es in der Abtei Wedinghausen bis 1803 sichere Zuflucht und hier waren die unermesslich kostbaren Kölner Domschätze vor fremdem Zugriff und vor Zerstörung sicher.

Die hochadeligen Herren und die gelehrten Räte des Kölner Domkapitels fanden in Wedinghausen gastliche Aufnahme, der Abt stellte ihnen auch einen Teil seiner eigenen Räumlichkeiten zur Verfügung. Die Klosterkirche (Bild siehe oben) hatte damals quasi den Status einer Kathedralkirche. Fast zehn Jahre residierte das Domkapitel hier. Nach dem Tode des Kurfürsterzbischofs Maximilian Franz von Österreich wählte es im Oktober 1801 in Arnsberg Anton Viktor von Österreich, den Bruder Kaiser Franz II., zum Nachfolger. Doch der Untergang der geistlichen Staaten des Hl. Römischen Reiches Deutscher Nation war schon besiegelt, so dass Anton Viktor das neue Amt nicht mehr antrat und das Kölner Domkapitel von Wedinghausen aus die kurfürstlichen Lande "sede vacante" bis zur militärischen Besetzung durch Hessen-Darmstadt Anfang September 1802 regierte.

Vor der Besetzung des Herzogtums Westfalen durch den Landgrafen von Hessen-Darmstadt hatte das Domkapitel vorsorglich einen großen Teil der Domschätze, darunter den weltberühmten Dreikönigsschrein, heimlich nach Frankfurt schaffen lassen. Von hier aus wurde er 1803 wieder an den Kölner Dom zurückgegeben. Die prächtige goldene Hülle war wieder an ihrem angestammten Platz, doch die eigentliche Hauptsache, die Reliquien der Drei Könige, fehlten noch. Der Landgraf von Hessen-Darmstadt gestattete schließlich, dass die im Kloster Wedinghausen noch verbliebenen Reliquien nach gründlicher Inaugenscheinnahme im Dezember 1803 wieder ihren Weg von Arnsberg nach Köln antreten konnten. Mit großem Jubel und unter Ehrensalut und Glockengeläut wurde ihre Ankunft in Köln am 4. Januar 1804 gefeiert.

Die Heiligen Drei Könige - im kurkölnischen Sauerland schon immer beliebte Heilige - sind seit ihrem "Exil" in Arnsberg ganz besonders tief in der Volksfrömmigkeit und dem kollektiven Gedächtnis der Sauerländer verwurzelt. Davon zeugen unzählige Geschichten, Erzählungen und Gedichte, die sich um sie ranken.

www.kloster-wedinghausen.de/geschichte/dreikoenigsschrein.html

Historische Quelle

Eine historische Quelle

Die Rückkehr des Schreins

Also ging es durch Jahrhunderte. Niemand dachte, dass die hh. drei Könige nochmals sich würden auf die Wanderung begeben müssen; allein die traurigen Zeiten der französischen Invasion, welche auch den Bischofsstuhl des h. Maternus zeitweilig aus dem Dome entfernten, veranlaßten schon vorher die Wegbringung dieser h. Reliquien. Es war am 30. September 1794, da wurde der Schrein mit den hh. drei Königen, um die Reliquien vor Berührung, die Umhüllung vor Raub zu bewahren, nach der Abtei Wedinghausen bei Arnsberg geflüchtet. Sobald aber die Zeiten etwas ruhiger geworden, erwachte die Sehnsucht der Stadt nach den Reliquien ihrer alten Schirmherrn. Die desfallsige Bitte wurde von dem Landgrafen von Hessen-Darmstadt, welchem aus der damaligen Plünderung der deutschen Kirche das kurkölnische Herzogthum Westphalen zugefallen war, gewährt, und dieselben dem damaligen Dompfarrer Marx und den beiden andern Bevollmächtigten des Domkapitels, Herrn von Caspars zu Arnsberg, übergeben, nachdem die Siegel unverletzt gefunden und die gegenwärtigen darmstädtischen Commissarien durch Öffnung des Sarges überzeugt worden waren, dass derselbe nur die hh. Gebeine und nicht etwa auch noch Gold und Edelsteine enthielt. Mit dem einfachen hölzernen Sarge – der ihn umhüllende kostbare Schrein wurde damals nicht mit zurückgegeben – welcher mit dem Hessen-darmstädtischen Siegel und mit dem des General-Vicariats wieder verschlossen wurde, traten die kölnischen Abgeordneten am 11. Dezember still und verborgen ihre Rückreise an und trafen am 14. zu Deutz ein, wo die h. Reliquien in der Hauskapelle des Herrn Abtes einstweilen niedergesetzt wurden.
Am 4. Januar 1804 wurden die Reliquien durch den Dompfarrer Marx und mehrere Geistliche in zwei Stadtwagen herüber geholt und kamen nachmittags 4 Uhr mit der Schiffbrücke am kölnischen Ufer an. Die bewaffneten Grenzaufseher – damals lag bekanntlich Köln an der Rheingrenze – gaben eine Salve aus ihrem Gewehr und begleiteten den Zug unter Anführung der Polizei in die Domkirche. Da in jener Zeit der Freiheit öffentliche Feierlichkeiten nur zu Ehren der französischen Gewalthaber stattfinden konnten – die erste öffentliche Prozession seit acht Jahren wurde erst am 1. Mai 1804 bei der Rückkehr der Reliquien des h. Engelbertus erlaubt – so mussten sich die Kölner Bürger damit begnügen, in stiller Ehrerbietung mit entblößtem Haupte auf den Straßen zu stehen und ihren Schutzpatronen durch französische Polizeidiener und Zollwächter das Ehrengeleit geben zu lassen. Im Dome selbst schlug die alte Kölner Natur aber doch durch; die Bürger hatten sich der Glockenseile bemächtigt, und so wurden die hh. drei Könige bei ihrem Einzuge wenigstens wieder, wie in der alten Zeit, von den majestätischen Domglocken begrüßt. Hier wurde der mit einer rothsammtenen Decke überdeckte Sarg unter einem Baldachin in die große Sakristei getragen.
Die feierliche Beisetzung in der frühern Kapelle geschah am h. Dreikönigenfeste, damals ein Werktag. Die Prozession durfte nach den freisinnigen Gesetzen jener Zeit den Dom nicht verlassen, wurde aber innerhalb desselben sehr feierlich gehalten. Am 12. Januar fand mit der vorgeschriebenen Feierlichkeit und Vorsicht die nochmalige Entsiegelung und Öffnung des Sarges statt; es fanden sich in demselben in einer Abtheilung die Häupter der hh. drei Könige, in einer andern die übrigen Gebeine derselben und in einer dritten die Gebeine der h. Martyrer Felix, Nabor und Gregor von Spoleto, und zwar die eines jeden dieser Heiligen getrennt in Seide eingewickelt. Die Häupter der hh. drei Könige wurden nun herausgenommen und in einem kleineren, mit einer gitterartigen Öffnung versehenen Sarge niedergelegt, damit sie wieder in der frühern Weise sichtbar verehrt werden könnten, darauf die beiden Särge in Gegenwart aller Zeugen verschlossen und versiegelt. Das glückliche Ereignis wurde durch die sehr feierliche Begehung des letzten Tages in der Octav würde beschlossen.
Der kostbare Reliquienschrein, der seit dem 12. Jahrhundert die heiligen Gebeine geborgen hatte, wurde erst später, und zwar in mehrere Stücke zerbrochen, von Frankfurt zurück erlangt. Von Willhelm Bollak und seinen Söhnen unter der Leitung Wallraffs wiederhergestellt und durch die Freigebigkeit der Kölner mit edeln Steinen noch bereichert, wurde er am 8. Januar 1807 neu eingesegnet, und die h. Reliquien wieder in denselben hinterlegt; am 10. Januar, dem Sonntag in der Octav, erblickten die Gläubigen mit tiefster Rührung zum ersten Mal wieder die h. Häupter durch das goldene Gitter des alten Schreines.
Seitdem ruhen nun wieder – hoffentlich für immer – in dem kostbaren Schreine die h. Häupter und Glieder, welche sich einst in den Staub vor der Krippe niedergebeugt.
aus: M. J. Scheeben, Festbüchlein zur Feier des 700-jährigen Jubiläums der Übertragung der hh. Könige nach Köln (1864)

 

Exil 1942-1944

Der Schrein im Exil 1942-1944

Schon im Jahr 1936 wurden von dem damaligen Domvikar Dr. M. Loosen aus Sorge vor einem bevorstehenden Krieg Sicherheitsvorkehrungen für die wichtigsten Kunstgegenstände des Kölner Doms getroffen. Zunächst sahen diese Maßnahmen vor, die Schätze innerhalb des Doms in einem bombensicheren Geheimverlies unterzubringen, wo sie auch tatsächlich bis zum Juli 1942 aufbewahrt wurden.

Als sich jedoch die Anzeichen für Luftangriffe auf die Stadt Köln verdichteten, erteilte das Metropolitankapitel den Auftrag, einen Großteil der Domschätze anderweitig unterzubringen. Der Dreikönigenschrein wurde (zusammen mit dem Dombild und 60 Bildern des Wallraf-Richartz-Museums) in 5 separaten Kisten nach Schloss Weißenstein in Pommersfelden transportiert und in den Kellerräumen des Schlosses untergebracht. Die Reliquien der hl. Drei Könige wurden indes außerhalb des Domes, aber innerhalb Kölns an einem sicheren Ort aufbewahrt.

15-Schloss-Weissenstein

Im Juli 1943 wollte die NSDAP das gesamte Schloss beschlagnahmen, doch durch das diplomatischen Geschick der Gräfin des Schlosses wurden lediglich eine Polizeischule nebst Feuerwehrabteilung in den Wirtschaftsgebäuden des Schlosses untergebracht; die Kellerräume blieben so unbeachtet.

Im September 1943 wurden wegen der immer größer werdenden Kriegsgefahr und der damit verbundenen Schäden Brandschutzmaßnahmen an den Magazintüren der Untergeschosse vorgenommen.

Ende Oktober 1943 führte die SS hatte eine Besichtigung und Durchsuchung des Schlosses durch. Die Gräfin hatte auf den 5 Kisten des Dreikönigenschreins die Anschrift: „Ihrer Durchlaucht der Frau Reichsgräfin Ernestine von Schönborn-Wiesentheid“ anbringen lassen, sodass sie für die SS uninteressant schienen. Trotzdem beschloss das Metropolitankapitel, den Dreikönigsschrein an einem anderen Ort unterzubringen.

Es wurden das Schloss Wiesentheid in Unterfranken und ein Schloss in Schönborn in Erwägung gezogen. Letztlich entschied man sich allerdings für das Schloss Bronnbach, das durch seine einsame Lage deutlich sicherer erschien als Schloss Pommersfelden; allerdings fand der Transport dorthin nie statt.

1944 wurden schließlich Dreikönigenschrein und Dombild von Pommersfelden nach Fulda gebracht, das jedoch wenige Tage zuvor durch einen Luftangriff zu einem Drittel zerstört worden war. Der Transport ging daher weiter nach Siegen; dort sollten Dreikönigenschrein und Dombild in einem Hochbunker untergebracht werden. Allerdings war der Eingang zu schmal und man entschied kurzerhand, die Schätze über Olpe zurück nach Köln zu bringen, wo sie am 19. September 1944 ankamen. Der Dreikönigenschrein wurde im Sakristeigelass untergestellt, das Dombild fand im Rundbunker unter dem Nordturm Platz.

nach: Domvikar Dr. M. Loosen, Die Odyssee der Kölner Domschätze im Kriege 1939-1945, Kölner Domblatt 1/1948