Wallfahrten gestern und heute

Vom Dreikönigenspiel zur Sternsingeraktion

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Nachdem die Gebeine der Heiligen Drei Könige im Jahr 1164 nach Köln gelangt waren, spendete der Kölner Erzbischof Reinald von Dassel jedes Jahr zur Feier des Epiphanie-Festes einen gewissen Geldbetrag. Im Dom stellten dann drei Personen, als Könige verkleidet, die Anbetung der Hl. Drei Könige szenisch dar. Ihnen wurde der „Stern von Bethlehem“ vorausgetragen. Ab dem 13. Jahrhundert verbreitete sich das Dreikönigenspiel, das am 6. Januar vor der Messe in den Kirchen stattfand: Es zeigte die Weisen auf dem Weg mit dem Stern, die Ankunft bei Herodes, die Anbetung im Stall von Bethlehem und die Traumszene mit einem Engel, der ihnen im Traum einen anderen Heimweg wies. Daraus entstand der Brauch, den Zug der Magier nachzuspielen und bei Hausbesuchen Segenswünsche für Haus und Bewohner zu bringen. Weil sich der erleuchtete „Stern von Bethlehem“ auf einer Stange drehen ließ, sprach man deshalb auch von „Sterndreherliedern“. Meist wurde den Sängern eine Kleinigkeit gespendet: etwas zu essen oder zu trinken, manchmal auch einige Münzen. Im Lauf der Zeit übten sich allerdings auch zwielichtige Elemente im Sternsingen und brachten die Tradition in Misskredit. Zum Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Sternsingen vielerorts verboten, der Brauch verlor sich dann endgültig im 19. Jahrhundert.

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Seit 1959 organisiert das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ zusammen mit dem Bund der Katholischen Jugend (ab 1961) die deutsche Sternsingeraktion. Hervorgegangen ist dieses Kinderhilfswerk aus dem 1846 in Aachen gegründeten Verein „Werk der heiligen Kindheit“ von Auguste von Sartorius. 1922 wird es zum „Päpstlichen Werk" ernannt. Hieraus erwuchs eine riesige Bewegung: Unter dem Motto „Kinder helfen Kindern" sammeln Kinder in Deutschland für Gleichaltrige in aller Welt. Viele hundert Millionen Euro kamen seither zusammen, zehntausende Projekte und Hilfsprogramme für Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa wurden unterstützt. Die Projekte beinhalten Pastoral, Bildung, Gesundheit, Ernährung, soziale Integration und Rehabilitation sowie Nothilfe.

In den meisten katholischen Pfarrgemeinden Deutschlands gehen um den 6. Januar Kinder als die Heiligen Drei Könige verkleidet und angeführt von einem Sternträger von Tür zu Tür, singen dort Lieder und bringen den Bewohnern den Segen. Gleichzeitig sammeln sie dabei für Kinder in Not. Heute gilt das Sternsingen als die weltweit größte, geschützte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder. Das Sternsingen ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass Kinder unsere Welt ein Stück heller und freundlicher machen können. Bei ihren Hausbesuchen tragen die Sternsinger Lieder und Gebete vor und schreiben mit der gesegneten Kreide „C+M+B“ zusammen mit der Jahreszahl über die Tür. C+M+B steht sowohl für „Caspar, Melchior, Balthasar“ als auch für „Christus mansionem benedicat“ (Christus segne dieses Haus). Unter dem Leitwort „Segen bringen, Segen sein“ gelangen so jedes Jahr Spenden in Millionenhöhe zu den ärmsten Regionen dieser Erde.

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Am Beginn eines jeden neuen Jahres feiert der Kölner Erzbischof, der alten Tradition folgend, im Kölner Dom einen Gottesdienst zur Aussendung der Sternsinger, der von vielen tausend Sternsingern aus der Kölner Diözese und den Nachbardiözesen besucht wird. Kinder und Erwachsene ziehen zum Ende des Gottesdienstes am geöffneten Dreikönigenschrein vorbei und tragen dann den Segen aus der Kathedrale weiter in ihre eigenen Pfarrgemeinden. Dieser Segen erreicht seit dem Jahr 2004 sogar die Kölner Partnerstadt Liverpool. Regelmäßig reisen die Dommessdiener zu den beiden Partnerkathedralen der katholischen und anglikanischen Kirche an der englischen Westküste. Nach dem Kölner Vorbild kommen hier Tausende von Kindergarten- und Schulkindern zur Epiphany Celebration zusammen. Die Kölner und Liverpooler Messdiener führen gemäß der mittelalterlichen Tradition ein Dreikönigenspiel auf und schreiben mit der in Köln gesegneten Kreide das C+M+B an die Portale der befreundeten Kirchen. 

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Susanne Cornet / Reimund Witte