Mit den Heiligen Drei Königen helfen

Kirchenzeitung startet Hilfsaktion zugunsten der Caritas in Mailand

hrzdjzuhmp 600In Norditalien kümmert sich die Caritas Ambrosiana um Menschen, die in Not geraten sind. Unter dem Motto „Mit den Heiligen Drei Königen eine konkrete Hilfe“ ruft die Kirchenzeitung mit Unterstützung des Kölner Stadtdechanten zu Spenden auf.

Nicht immer waren die Beziehungen zwischen Mailand und Köln ungetrübt. Mit dem beschönigenden Begriff „translatio“ wird die Überführung der Reliquien der Heiligen Drei Könige beschrieben. Der Kölner Erzbischof Rainald von Dassel erhielt die kostbaren Reliquien nach der Eroberung Mailands durch Friedrich Barbarossa zum Dank für treue Dienste in seinem Amt als Reichskanzler.

"Raub" der Reliquien?

Wie tief dieses historische Ereignis – das Köln einen wirtschaftlichen Aufschwung bescherte, der bis heute anhält und Menschen aus der ganzen Welt in die Domstadt führt – im Bewusstsein von Menschen aus Mailand als Schmerz verankert ist, erlebte ich vor einigen Jahren. Nachdem ich Zeuge der Öffnung des Grabes von Rainald von Dassel geworden war und die Gebeine des Erzbischofs aus der Nähe betrachten konnte, besuchten meine Frau und ich abends unseren Lieblingsitaliener. Als ich von den Erlebnissen berichtete, schwoll ihm vor Zorn der Kamm. Auch fast 850 Jahre nach der Ankunft der Heiligen Drei Könige konnte er sich nicht über den „Raub“ durch den Kölner Erzbischof beruhigen. Die Worte, die er für Rainald von Dassel fand, kann ich an dieser Stelle nicht wiedergeben.

Im Laufe der Jahrhunderte gibt es immer wieder Bemühungen aus Mailand, die Heiligen Drei Könige nach Sant’Eustorgio zurückzuholen, die Kirche, in der die Reliquien bis zu ihrer „Reise“ nach Köln verehrt wurden. Doch die Kölner denken nicht daran, diese Kriegsbeute zurückzugeben. Bewegung kommt zu Beginn des 20. Jahrhunderts ins Spiel. 1903 bekommt der Mailänder Kardinal Ferrari einige Partikel der Reliquien als Geschenk aus Köln. Diese Partikel ruhen heute in Sant’Eustorgio in einem Reliquiar in der Dreikönigenkapelle. Als Gegengeschenk erhält der Dom eine Kasel, ein Messgewand des heiligen Karl Borromäus, der Erzbischof von Mailand war und 1584 starb.

Kontakte werden ausgebaut

2014 kommt es im Kölner Dom zu einem denkwürdigen Ereignis. Zum Abschluss der Feiern zum 850. Jahrestag der Ankunft der Reliquien zelebriert der damalige Mailänder Erzbischof, Kardinal Angelo Scola, ein Pontifikalamt. Höhepunkt ist der Schlusssegen, den er mit Reliquien der Heiligen Drei Könige spendet. Scola ist in Köln herzlich willkommen. Er trägt sich in das Goldene Buch der Stadt ein. Kein Wort fällt über die Ereignisse vor 850 Jahren. Nur einmal bemerkt der Erzbischof, der hervorragend Deutsch spricht, sinngemäß: Die Reliquien könnten die Kölner ruhig im Dom behalten. Mailand wäre auch mit dem Schrein zufrieden.

Der Kölner Stadt- und Domdechant Robert Kleine hat den damaligen Besuch aus Mailand zum Anlass genommen, die Kontakte in die norditalienische Metropole auszubauen und zu vertiefen. Erst im vergangenen Jahr war er in Mailand und hat dort den Freundeskreis der Heiligen Drei Könige besucht, der sich in Sant’Eustorgio um das Gedenken an die drei Magier kümmert. „Dass unsere Beziehung unter den aktuellen Umständen eine ganz neue Bedeutung bekommt, hätte ich mir im vergangenen Herbst nicht träumen lassen. Umso wichtiger ist jetzt die tatkräftige Solidarität mit den Menschen in der Lombardei. Deshalb unterstütze ich die Aktion der Kirchenzeitung aus vollem Herzen.“

Es fehlt an medizinischer Ausrüstung

Luciano Gualzetti ist der Direktor der Caritas Ambrosiana. Deren Zuständigkeit geht weit über die Grenzen Mailands hinaus – rund 5,8 Millionen Menschen in 1109 Pfarreien. Neben ausreichenden finanziellen Mitteln zur Versorgung obdachloser Menschen und zur Beschaffung dringend benötigter medizinischer Ausrüstung fehle es an Helferinnen und Helfern. Alle Menschen über 65 Jahre müssten daheim bleiben. Gerade in dieser Altersgruppe gebe es sehr viele Ehrenamtliche, die nun durch Jüngere ersetzt werden müssten. Weitere Kostenfaktoren seien Mieten für Räume und Gebäude, in denen Menschen untergebracht werden können, die unter Quarantäne stehen. Auch für Ärzte und Krankenschwestern, die wegen der Gefahr einer Ansteckung ihrer Familien nach dem Dienst nicht nach Hause könnten, müssten Unterkünfte gefunden und bezahlt werden. Da Ehrenamtliche nicht in ausreichender Zahl vorhanden seien, müsste Personal eingestellt und bezahlt werden, das die dringenden Aufgaben zur Linderung der größten Not erfüllen könne. Auch wenn die Kirche und die Stadt den Fonds „San Giuseppe“ aufgelegt und mit insgesamt vier Millionen Euro ausgestattet haben, um Menschen zu unterstützen, die infolge der Krise arbeitslos geworden seien – darunter viele Zeitarbeiter –, sei finanzielle Unterstützung sehr willkommen. „Ich danke Ihnen sehr für die Nähe und die Fürsorglichkeit in dieser unendlichen Not, die Sie uns mit ihrem Vorhaben zeigen“, schreibt Gualzetti in einer E-Mail von Sonntag. „Mit den Heiligen Drei Königen eine konkrete Hilfe“ – bitte machen Sie mit!

Robert Boecker

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Aufruf des Stadt- und Domdechanten

Mailand und Köln verbinden die Heiligen Drei Könige. Erst vor einigen Monaten besuchte ich Mailand und traf in der Kirche Sant‘Eustorgio die „Amici dei Magi“, die „Freunde der Magier“, wie die Dreikönige in Italien genannt werden.
Wir vereinbarten damals in fröhlicher Atmosphäre einen vertieften Austausch, ja eine Partnerschaft zwischen ihnen in Mailand und uns in Köln. Kein halbes Jahr später erreichen uns bedrückende Nachrichten und Bilder aus der Lombardei und Mailand. Jetzt ist die Zeit der Partnerschaft und der Solidarität! Deshalb bitte ich in aller Sorge, die uns vor Ort umtreibt: Unterstützen wir von Köln aus die Caritas in Mailand.
Die Heiligen Drei Könige haben gemeinsam das Licht der Welt gesucht und gefunden. Schicken wir von Köln aus durch unser Gebet, unsere Solidarität und unsere finanzielle Unterstützung ein wenig Licht nach Mailand!


Monsignore Robert Kleine

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Seit dem vergangenen Jahr gehört Monsignore Robert Kleine (Zweiter von links) zu den „Freunden der Drei Magier“, die sich in Sant‘Eustorgio um das Gedenken an die Heiligen Drei Könige kümmern. (Foto: Privat)

 

Quelle: https://kirchenzeitung-koeln.de/858